Terminservice

Früher war der ärztliche Bereitschaftsdienst unter mehr als 1.000 regionalen Nummern erreichbar.

Das hat sich geändert, seitdem die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen im Jahr 2012 die bundesweit einheitliche 116117 eingeführt hat. Jetzt steht die Nummer vor einem Umbau zur vielleicht wichtigsten Servicenummer Deutschlands. Das Angebot der 116117 wird spätestens ab dem 1. Januar 2020 deutlich umfangreicher. Denn das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) drängt auf große Veränderungen. Das Gesetz verfolgt vor allem zwei Ziele: Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sollen weiter entlastet werden und gesetzlich Versicherte sollen noch schneller Termine bei Ärzten und Psychotherapeuten erhalten. Bislang ist unter der Nummer 116117 ausschließlich der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen erreichbar. Die Nummer ist bisher also nur für diejenigen bestimmt, die außerhalb der Praxiszeiten starke Beschwerden haben und nicht bis zum nächsten Tag warten können.

Digitale Hilfe bei der Ersteinschätzung

Für die Nummer wird sich einiges ändern: Ob in Baden-Württemberg oder in Mecklenburg-Vorpommern – ab 2020 können Bürger überall im Land die Nummer rund um die Uhr wählen, wenn sie dringende ärztliche Hilfe benötigen. Denn gerade in akuten Krankheitssituationen ist es für viele Menschen schwierig einzuschätzen, welche Behandlung sie brauchen. Aus Angst, etwas Schlimmes zu haben, gehen sie häufig sofort in die Notaufnahmen der Krankenhäuser, obwohl es andere Angebote gibt. Für solche Fälle ist künftig die 116117 da: Am Telefon sitzen speziell geschulte Fachkräfte, die eine medizinische Ersteinschätzung vornehmen. Mithilfe einer dafür entwickelten Software fragen sie die Anrufer gezielt nach ihren Beschwerden, um so die Dringlichkeit einer Behandlung einzuschätzen und Patienten in die richtige Versorgungsebene zu vermitteln. Das System unterstützt die Disponenten in den Telefonzentralen oder den Bereitschaftsdienstpraxen mit digitalen Fragebögen, direkten Auswertungen und Handlungsempfehlungen. So können die Fachkräfte anhand der angegebenen Beschwerden am Ende des Gesprächs über Zeit und Ort der Behandlung entscheiden. Braucht der Patient sofort Hilfe oder reicht eine  Versorgung innerhalb der nächsten Stunden oder auch am nächsten Tag? Ist der Patient beim Hausarzt, Facharzt oder Bereitschaftsdienst am besten aufgehoben? Muss er in die Notaufnahme eines Krankenhauses oder braucht er sogar den Rettungsdienst? Alle diese Fragen beantworten die 116117-Mitarbeiter. Sie vermitteln auch kurzfristig Arzttermine, wenn sich beispielsweise ein Anrufer noch am selben Tag bei einem Orthopäden oder Augenarzt vorstellen soll.

Telefonische Terminvermittlung

Nicht nur in akuten Krankheitsfällen können Bürger in Zukunft die 116117 wählen: Ab 1. Januar 2020 erreichen sie dort bundesweit auch die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie wurden vor drei Jahren eingerichtet und unterstützen Patienten bei der Suche nach einem Arzttermin – vor allem Patienten mit einer Überweisung, aber eben nicht ausschließlich. Beispielsweise ist für einen Termin beim Hausarzt sowie beim Kinder- und Jugendarzt keine Überweisung nötig. Zu den Aufgaben der TSS gehört auch die Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten.

Mehr Service auch online

Es ist geplant, den Terminservice auch online anzubieten, sodass Patienten bei Bedarf Termine im Internet oder via App buchen können. Insgesamt soll das Online-Angebot der 116117 verstärkt werden. Bereits heute können Patienten auf www.116117.de beispielsweise nach Bereitschaftsdienstpraxen suchen. Weitere Angebote sollen folgen.

Ständige Erreichbarkeit

Schon jetzt ist die 116117 bundesweit gefragt: Fast acht Millionen Menschen rufen die Nummer pro Jahr an, wenn sie die Hilfe des ärztlichen Bereitschaftsdienst benötigen. In den Hochzeiten sind es 6.000 Anrufe pro Stunde. Bei diesen Zahlen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bleiben. Denn die 24-Stunden-Erreichbarkeit und das neue Terminangebot werden die Anzahl der Anrufe steigen lassen. Hinzu kommt, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen die 116117 ab Ende August mit einer deutschlandweiten Kampagne bewirbt und so die Bekanntheit der Nummer steigern wird. Für die Kassenärztlichen Vereinigungen ergeben sich dadurch viele Herausforderungen. Um all das zu ermöglichen, stocken sie ihre Telefonzentralen personell massiv auf und verzahnen die Terminservicestellen möglichst eng mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst. Darüber hinaus laufen Gespräche mit den Rettungsstellen der Landkreise, um einheitliche Schnittstellen in den Systemen der 112 und der 116117 zu schaffen. Das ist nötig, um Patienten reibungslos von der einen zu einer anderen Versorgungsebene zu vermitteln – und zwar zu der für den Fall angemessenen.

Aktuell erreichen Sie die Terminservicestelle (TSS):

unter der Servicenummer: 03643 7796042

  • Montag bis Freitag: 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr
  • Dienstag 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr und 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Weitere Informationen zur Terminservicestelle auch online.

Anruf bei 116117