DEMAND Projekt

Implementierung einer standardisierten Ersteinschätzung in der ambulanten Notfallversorgung (DEMAND)

Projektziel

Ziel des vom Innovationsausschuss beim G-BA geförderten DEMAND-Projekts ist es, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenhäusern bereitgestellten Ressourcen zur Notfallversorgung effizienter zu nutzen und so die Versorgung von Patienten mit akuten Behandlungs- und Beratungsbedürfnissen zu verbessern. Mit dem Einsatz eines softwarebasierten Instruments zur standardisierten Ersteinschätzung von Patientenanliegen sollen die Notaufnahmen entlastet und Patienten mit nicht schwerwiegenden Beratungsanlässen besser in eine bedarfsgerechte Versorgung im ambulanten Sektor gesteuert werden.

Hintergrund

Die stetig steigende Inanspruchnahme von Notaufnahmen in Krankenhäusern hat in den letzten Jahren große gesundheitspolitische Aufmerksamkeit erfahren, wobei insbesondere die Überbeanspruchung der Notfallressourcen von Krankenhäusern durch Patienten mit nicht dringlichem oder weniger schwerwiegendem Beratungs- und Behandlungsbedarf thematisiert wurde.

Tatsächlich ist die Notfallversorgung in Deutschland in weiten Teilen durch parallele Versorgungsstrukturen, unklare Zuständigkeiten sowie oftmals fehlende sektorenübergreifende Koordination gekennzeichnet. Daneben sind auch die gestiegenen Erwartungshaltungen und zu geringen Gesundheitskompetenzen auf Patientenseite wesentliche Ursachen dafür, dass insbesondere in den Notaufnahmen viele Patienten vorstellig werden, obwohl sie auch mit den Ressourcen der vertragsärztlichen Versorgung schnell und sicher behandelt werden könnten.

In vielen anderen europäischen Ländern werden bereits heute Patienten aktiv in angemessene Versorgungsstrukturen gesteuert. Dort führt medizinisches Fachpersonal in Vermittlungsstrukturen standardisierte Ersteinschätzungen durch, um den Anrufern jeweils passende Versorgungswege aufzuzeigen. Oftmals ist schon eine telefonische ärztliche Beratung ausreichend und ein direkter Arztkontakt gar nicht mehr nötig. Eine frühzeitige und in diesem Sinne sektorenübergreifende Steuerung von Patienten über ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren, wie sie auch vom Sachverständigenrat Gesundheit gefordert wird, ist sowohl aus Gründen der Patientensicherheit als auch der Bedarfsgerechtigkeit unumgänglich. So ist die unmittelbare Versorgung von Patienten mit akut lebensbedrohlichen Beschwerden in den Notaufnahmen nur dann gewährleistet, wenn Patienten mit niedrigschwelligerem Versorgungsbedarf im komplementären Bereich der vertragsärztlichen Versorgung behandelt werden. Eine standardisierte, den beiden Versorgungssektoren vorgeschaltete Ersteinschätzung kann also dazu beitragen, dass jeder Patient entsprechend seines tatsächlichen Beratungs- und Behandlungsbedarf in jenem Sektor versorgt wird, der hierfür die angemessenen Ressourcen vorhält.

SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung Deutschland)

Eine regelbasierte, wissenschaftlich fundierte Ersteinschätzung von Gesundheitsproblemen gibt Patienten Orientierung und schafft Sicherheit. Deshalb wird durch das AQUA Institut die Strukturierte medizinische Ersteinschätzung Deutschland (SmED) entwickelt. Sie umfasst neben einer unterstützende Software für das medizinische Fachpersonal an unterschiedlichen Erstkontaktstellen (z.B. Bereitschaftsdienstzentralen, bei der zentralen Rufnummer 116117, an gemeinsamen Tresen in Krankenhäusern, in Portalpraxen, beim Rettungsdienst und zukünftig in integrierten Notfallleitstellen) auch ein qualifiziertes Training von Fachpersonal an allen Anlaufstellen.

Die KVT-Notdienst Service gGmbH führt SmED in der telefonischen Abfrage von Patienten, welche über 116117 nach medizinischer Hilfe suchen, ein.

In der Studie wird die Effektivität des Instruments zur Steuerung von Patienten durch das AQUA Institut untersucht. Die Steuerungseffekte werden quantitativ anhand von Routinedaten und qualitativ anhand von Patienten- und Mitarbeiterbefragungen bewertet.

Pressemitteilung des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)